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Mongolei Studienreisen

Kunst und Kultur der mongolischen Nomaden

Die Mongolen gelten als traditionelles Nomadenvolk und so wird auch allgemein angenommen, dass die Kultur der Mongolei fast ausschließliche eine Nomadenkultur ist. Doch betrachtet man die mongolische Kultur einmal genauer, so stellt man fest, dass diese aus einer Vielzahl an Einflüssen zusammengesetzt ist. Die Kultur ist zwar stark von den Nomaden geprägt, doch darüber hinaus fließen noch tibetische, buddhistische und russische Einflüsse mit ein.

Im 17. Jahrhundert wurde der tibetische Buddhismus die dominierende Religion in der Mongolei. Dabei wurde das traditionelle Schamanentum unterdrückt und an den Rand gedrängt. Durch den Buddhismus, welcher eine große Anzahl an Gottheiten aufweist, entstanden auch in der bildenden mongolischen Kunst viele religiöse Gegenstände wie beispielsweise Skulpturen und Bilder. Heutzutage ist zweierlei zu beobachten: Einerseits werden viele althergebrachte Traditionen noch gepflegt: So spielt beispielsweise der Aberglaube noch immer eine Rolle im Alltagsleben der Nomaden und fließt auch in die Kunst und Kultur mit ein. Andererseits zeichnet sich immer mehr eine Öffnung und Hinwendung zum Westen ab und die moderne mongolische Kunst weist mittlerweile zahlreiche Künstler auf, die westlich geprägt sind. Dies ist nicht nur im Bereich der Musik zu ersehen, wo die Pop- und Rockmusik immer häufiger zu hören ist, sondern auch in der Malerei sowie in der Bildhauerei.

Handwerk

Lange konzentrierte sich das mongolische Handwerk auf die Anfertigung von Gebrauchsgegenständen. Im Laufe der Zeit wurde jedoch besonders das Silberschmieden eine immer beliebtere und ausgefeiltere Beschäftigung für die mongolischen Nomaden. Ein schönes Beispiel hierfür ist der verschieden ausgestaltete Kopfschmuck der mongolischen Frauen, welcher sich von Stamm zu Stamm unterscheidet.
Daneben wurden auch Filzteppiche in verschiedenen Farben oder Türvorhänge angefertigt. Als geschickte Gerber verstanden die mongolischen Nomaden sich zudem darauf, Leder dekorativ zu prägen und zu besticken.

Malerei

Lange war die Mongolei das Zentrum der buddhistischen tibetischen Kunst. Hierbei dienten die Bildhauerei sowie die Malerei vor allem dazu, Meditationsobjekte sowohl für Geistliche als auch für Laien zu erschaffen. Ein Beispiel hierfür ist das Mandala, eine symbolische Darstellung eines göttlichen Objekts. Diese Bildrollen binden auch die Darstellung von Tieren mit ein. Nach der Gründung der Volksrepublik wurde die Kunst der Thangkas zwar nicht verboten, jedoch nur noch mit sozialistischen Darstellungen verbreitet. Die Gemälde und Skulpturen wurden im Laufe der Zeit immer realistischer und säkulare und nationalistische Themen immer beliebter. Allerdings herrschte hier noch lange Zensur und erst mit der Perestroika blühte die bildende Kunst in der Mongolei richtig auf.

Die mongolische Malerei hat eine über zweitausendjährige Geschichte. Ursprünglich wurden hier vor allem einfache Felszeichnungen angefertigt. In der Malerei werden traditionell nur wenige Farben verwendet. Hierbei symbolisiert jede Farbe etwas: Rot beispielsweise steht für den Sieg und ist die Farbe der Freude, Weiß die Reinheit und Grün Wohlstand und Gedeihen. Hervorstechend ist zudem der farbliche Kontrast, welcher auf den Bildern stets zu erkennen ist. Symbole sind auch hier sehr wichtig, ebenso die Ornamente. Denn auch diese drücken stets etwas aus und der Künstler wird durch die Anfertigung solcher Elemente auch mit „gesegnet“. Bis der Buddhismus auch in diesem Bereich immer mehr Einfluss gewann, wurden vor allem Gebrauchsgegenstände verziert. Später wurden aus dem tibetischen Glauben Symbole und Gestaltungsweisen übernommen und fließen bis heute in sämtliche Kunstwerke mit ein. Mit der Zeit erweiterten sich die Techniken, Hauptthema bildete auch hier der Buddhismus. Doch auch europäische Einflüsse fanden seit Beginn der Neuzeit hier ihren Eingang.

Bei den Werken, die vor dem 20. Jahrhundert entstanden sind, ist der religiöse Einfluss noch deutlich erkennbar. Ein herausragendes Beispiel hierfür sind die sogenannten Thangkas, großformatige Rollbilder, auf welchen buddhistische Gottheiten dargestellt sind. Die Thangkas wurden in der Regel mit der Technik der Seidenmalerei angefertigt und anschließend lackiert. Lange Zeit war es ausschließlich den Klöstern vorbehalten, diese Art von Gemälden herzustellen. Erst im letzten Jahrhundert fand dieses spezielle Handwerk den Weg nach draußen und mittlerweile gibt es auch spezielle Kurse oder Schulen, in welchen die Anfertigung eines Thangkas gelehrt wird. Der Entwurf wird jedoch nach wie vor von einem Mönch vorbereitet, da nur die Klöster über bestimmte Einzelheiten Bescheid wissen.

Bildhauerei

Skulpturen wurden zu Beginn ebenfalls in Felsen geschnitzt, diese zählen heute zu den historischen Sehenswürdigkeiten des Landes. Mongolische Nomaden sind auch traditionell sehr begabte Schnitzer. Hier wird vor allem das Schachspiel gerne angefertigt, welches in der Mongolei als beliebter Zeitvertreib gilt. In früheren Zeiten dienten Skulpturen vor allem als Grabbeilagen für die Toten und als Spielzeug für die Kinder. Auch hier herrschte demnach erst eine funktionale Verwendung vor, bis vor allem die Bildhauerei einen immer größeren Stellenwert erhielt. Als einer der bedeutendsten Bildhauer des Landes gilt Undur Gegeen Zanabazar, der im 17. Jahrhundert 21 Taras (Gemahlinnen Buddhas) schuf, um die Schönheit der mongolischen Frauen zu preisen.

Es gibt noch zahlreiche bronzefarbene Skulpturen, die buddhistische Gottheiten zeigen. Besonders im letzten Jahrhundert änderte sich jedoch in der bildenden mongolischen Kunst der Einfluss und diese wurde vor allem durch den Einzug der Moderne geprägt.

Literatur

Lange Zeit wurden Geschichten vor allem mündlich überliefert. Diese „üligers“ (Geschichten) sind in der Regel alliterative Verse und wurden von Generation zu Generation weitergegeben – bis heute. Es gibt eine Vielzahl an epischen Helden in der mongolischen Literatur und das mongolische Wort für Held, Baatar, wird auch häufig als Name vergeben. Hierzu gehören auch die Aussprüche des bekannten Dschingis Khan sowie die Epen über dessen Leben. Auch andere Heldengeschichten spielen in der Kultur der mongolischen Nomaden eine nicht unwichtige Rolle und die Sagen über die mongolischen Helden Jangar, Geser Khan und Kharangui sind auch heute noch beliebt. Das älteste und vollständig überlieferte Werk aus der mongolischen Literatur ist wahrscheinlich auch das bekannteste: „Die geheime Geschichte der Mongolen“. Darüber hinaus gibt es eher wenige Beispiele von Literatur aus der Zeit des mongolischen Reiches. Aus der neueren Zeit sind einige Chroniken erhalten geblieben. Doch im Laufe der Zeit flossen auch immer mehr buddhistische und indische Einflüsse in die Literatur der Mongolen ein. Auch russische Literaten übten einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die mongolische Kultur aus.

Musik und Tanz

Bis heute wird die traditionelle Musik von den mongolischen Nomaden gepflegt. Das wichtigste Instrument ist hierbei die Pferdekopfgeige. Die mongolischen Lieder besingen häufig die Helden aus früheren Zeiten. Der Gesang weist zwei Besonderheiten auf: Einerseits gibt es hier den Obertongesang, der durch seine spezielle Atemtechnik den Eindruck erweckt, dass der Sänger zwei Stimmen hat. Zudem werden besonders bei längeren Liedern die einzelnen Wortsilben sehr in die Länge gezogen. Hierdurch wirkt der Gesang sehr getragen und spirituell. Key, traditionelle Kehlgesänge, die Morin Khuur (Pferdekopfgeige) sowie andere Saiteninstrumente sind hierfür typisch.
Viele traditionelle Tänze hingegen sind mittlerweile verlorengegangen und haben sich allenfalls in wenigen Randgebieten erhalten. Eine Ausnahme hiervon bildet der Tsam, ein zeremonieller Tanz, der ursprünglich von den Mönchen aufgeführt wurde, um wilde Gottheiten zu besänftigen. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde aus Tibet in die Mongolei eingeführt. Bei dem Tsam tragen die Tänzer bunte und sehr fantasievolle Masken, welche die jeweiligen Charaktere darstellen sollen. Hierbei kommt es zu einem symbolischen Kampf zwischen den Göttern und den Dämonen. Nach Ende dieses Kampfes werden die Masken zerstört und ein alter, weißer Mann erscheint, welcher den Gott der Fruchtbarkeit verkörpert.
Ein weiterer traditioneller Tanz ist Bilgee, welcher von den traditionellen Instrumenten wie der Pferdekopfgeige begleitet wird. Hierbei werden fast ausschließlich die Oberkörper bewegt und Szenen aus dem nomadischen Alltag dargestellt.
Ein ebenfalls typischer Tanz für ist der Mongolische Walzer. Hier umkreisen ein Reiter und eine Reiterin einander zu einem traditionellen Lied. Dieses wird in seinem Rhythmus allmählich immer schneller.