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Religionen der Mongolei – Buddhismus und Shamanismus

Siddharta Gautama heißt der Mann, der im vierten oder fünften Jahrhundert vor Christus die Lehren des Buddhismus aufstellte. Bis heute hat sich diese Religion zur viertgrößten des Planeten entwickelt. Die Zahl der aktiven Buddhisten schwankt zwischen 230 und 500 Millionen. Nur das Christentum, der Islam und der Hinduismus zählen mehr Gläubige. In vielen Teilen der Welt ist der Buddhismus durch den tibetanischen Buddhismus bekannt. Der Dalai Lama ist dessen höchster Vertreter.

Historischer und mythischer Buddha

Der Buddha ist die höchste Gottheit im Buddhismus. Das Wort bedeutet so viel wie „Erwachter“. Als „historischer Buddha“ wird Siddharta Gautama bezeichnet. Alle anderen Buddhafiguren und -statuen sind mythisch. Der in Nordindien lebende Mann soll angeblich im Alter von 35 Jahren ein „Erwachen“ erlebt haben. Die Buddhisten meinen damit eine Reihe von Erlebnissen, die Gautama dazu veranlassten, die buddhistischen Lehren aufzustellen. Um den Buddhismus zu verbreiten, rekrutierte er Schüler, die er auch bald fand, und feierte die Gründung einer Gemeinschaft der Buddhisten. Im Alter von 80 Jahren starb Siddharta Gautama, bis dahin war er ständig unterwegs in seinem Heimatland, um seine aufgestellten Thesen zu verbreiten.

Drei Geistesgifte

Nordindien gilt als Startpunkt des Buddhismus. Die Verbreitung der Lehre fand von dort aus statt und gelangte zunächst nach Sri Lanka und Zentralasien. Über die Jahre und Jahrhunderte etablierte sich die Religion auf dem gesamten asiatischen Kontinent und gelangte auch in andere Teile der Welt. Die Lehre des Buddhismus basiert auf den von Siddharta Gautama aufgestellten vier edlen Wahrheiten: Der Entwickler der buddhistischen Lehre teilte mit, dass erstens das Leben von Leid geprägt sei. Gier, Verblendung und Hass, auch als die „drei Geistesgifte“ bezeichnet, würden zweitens dieses Leiden verursachen. Wer also diese drei Ursachen aus seinem Leben streiche, könne drittens auch das Leiden beenden. Doch um dies zu erreichen, müsse der Gläubige viertens den „Achtfachen Pfad“ beschreiten. Am Ende dieses Weges stünde dann das Nirwana, was so viel wie Erlösung heißt.

Den rechten Weg wählen

Um den „Achtfachen Pfad“ erfolgreich beschreiten zu können, müsse der Buddhist acht Punkte erfüllen. Diese sind unterteilt in die Weisheits-Gruppe, die Sittlichkeits-Gruppe und die Vertiefungsgruppe. Zur Weisheitsgruppe zählen etwa die rechte Erkenntnis und die rechte Gesinnung. Der Buddhismus meint damit, dass der Gläubige sich entschließt, dem Bösen zu entsagen und auch Habgier und Hass hinter sich zu lassen. Die Sittlichkeitsgruppe beinhaltet das rechte Reden sowie die Entsagung von Lüge, Geschwätz, Beleidigung oder Verleugnung. Dazu kommt das rechtschaffene Handeln, also die Vermeidung von sexuellen Ausschweifungen, Töten und Stehlen. Als Ziel dieser Gruppe steht der rechtschaffene Lebenswandel. Der Buddhist solle also seinen Lebensunterhalt mit einem edlen Beruf verdienen, ohne andere Menschen dadurch zu schaden. Die Vertiefungs-Gruppe beschreibt den Weg, wie sich der Gläubige durch Meditation die richtige Geisteshaltung aneignen kann. Dazu zählt das rechte Streben, was Dinge wie Ehrgeiz und Willen in die richtige Bahn lenken und nicht in Begierde, Hass oder Zorn führen soll. Außerdem solle sich der Buddhist seines Körpers bewusst werden und die Lebensfunktionen wie Atmen, Stehen oder Gehen bewusst wahrnehmen. Schließlich mündet alles in die rechte Sammlung, das bedeutet, dass der Geist nicht abschweifen solle. Dazu ist dann eine buddhistische Meditation nötig. Befolgt der Buddhist all diese Punkte, steht ihm der Weg ins Nirwana, der Erlösung, offen.

Im Trancezustand eine andere Welt betreten

Eine zweite in Asien sehr verbreitete Religionsform ist der Schamanismus. Die Wortführer sind die sogenannten Schamanen. Sie besitzen spezielle Fähigkeiten, die ihn bei Anhängern des Schamanismus auf den Rang eines Medizinmannes oder Zauberers heben. Basis dieser Religion ist die Erreichung eines Trancezustandes durch bestimmte rituelle Handlungen. In dieser Trance möchte der Schamane dann Kontakt zur Welt der Geister und Götter aufnehmen. Ziel ist es, auf diese Weise vor allem mit den Ahnen und Vorfahren zu kommunizieren. Dabei benutzen die Schamanen Hilfsmittel, um diesen Übergang in eine andere Welt zu erzielen. Sie verbrennen etwa Rauchwerk oder schlagen auf Trommeln bestimmte Rhythmen. Auch Tanz, Trancetanz oder Gesang wird häufig eingesetzt. In manchen Formen des Schamanismus werden gar psychedelische Drogen, Fasten- oder Schwitzkuren oder Meditation zur Hilfe genommen. Die ursprüngliche Version dieser Religionsform sieht dies allerdings nicht vor.

Zwischen den Welten bewegen

Hat der Schamane diesen Trancezustand erreicht, kann er quasi zwischen den Welten wandern. Experten vergleichen diesen anderen Seinszustand mit dem Nirwana des Buddhismus, der als höchstes Ziel dieser Religion gilt und ebenfalls einen Übergang in eine andere Welt dargestellt. Andere vergleichbare Formen wären die keltische Anderswelt oder die Traumzeit der Ureinwohner Australiens, der Aborigines. Ein Schamane hat auch beim Übergang in die andere Welt noch volle Kontrolle über sich. Trotz eines anderen Bewusstseinszustandes kann er mit den Menschen, die diese Fähigkeit der Weltenwanderung nicht besitzen, weiterhin kommunizieren, während er sich frei zwischen den Welten hin und her bewegt. Der Schamane kann weiterhin Dinge erfragen oder den umherstehenden Menschen Anweisungen geben. Er erreicht also nicht den Zustand der Besessenheit und ist somit nicht mit einem Medium vergleichbar. In der Religion des Schamanismus werden dem Schamanen aufgrund seiner spezifischen Fähigkeiten viele Rollen zugeschrieben. Er kann als Wahrsager sowie Wettervorhersager auftreten oder auch als Lehrer oder Zeremonienmeister. In dieser Rolle überwacht und sichert er die rituellen Traditionen. Allerdings sind die medizinischen Fähigkeiten sehr wichtig, denn er wirkt auch als Geburtshelfer und auch als Krankenheiler.

Ausbildung durch Geister

Eigentlich kann jeder zum Schamanen werden. Um diese Rolle einnehmen zu können, muss man entweder eine familiäre Tradition wahren und das Schamanentum vererbt bekommen haben oder man wurde ausgewählt. Es ist allerdings auch möglich, freiwillig darum zu bitten, das Amt einnehmen zu können. Die Geister nehmen dann die Ausbildung vor. Es kann durchaus vorkommen, dass ein angehender Schamane mit den Geistern in abgelegene Wälder geht und erst nach Vollendigung der Ausbildung wieder auftritt. Diese Abwesenheit kann bis zu mehreren Jahren dauern. Schamanen, die die besonderen Fähigkeiten erlernen wollen, versuchen dieses Ziel oft durch Fasten oder sexuelle Enthaltsamkeit zu erreichen. Wenn diese Zeit der Askese erfolgreich abgeschlossen wurde, genießt der Schamane in der Gesellschaft hohes Ansehen. Allerdings treten Menschen ihnen auch oft mit großer Furcht gegenüber, weil sie deren Macht und besondere Kräfte fürchten.